Kopfbild_Ostanlage 2 Fahrraddemo
27.10.2009 erstellt von: Jan Fleischhauer


Abstände beim Überholen einhalten!

Presse_Symbolbild Türunfall

Immer wieder werden Radfahrer durch sich öffnende PKW-Türen verletzt. Anlässlich eines Unfalls am vergangenen Freitag in der Bahnhofstraße weist der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) darauf hin, dass Autofahrer, die ein- oder aussteigen, sich so verhalten müssen, dass anderer Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden: Autotüren dürfen also nur geöffnet werden, wenn sich kein Radfahrer oder Fußgänger nähert.


In der Praxis können sich Radfahrer darauf jedoch oft nicht verlassen. Aus diesem Grund sollen Radfahrer abgestellte Autos mit einem Mindestabstand von einem Meter überholen. Dieser Abstand dient nicht nur der eigenen Sicherheit: Im Falle eines Unfalls können Radfahrer, die dichter als einen Meter an parkenden Autos vorbeifahren, sogar eine Mitschuld bekommen.

Generell stellt der ADFC fest, dass das Rechtsfahrgebot häufig falsch verstanden wird, denn auch ohne parkende Autos sollten Radfahrer einen Mindestabstand von 70 cm zum Bordstein einhalten. Nur so können sie bei Kanaleinlaufschächten und Unebenheiten ausweichen. Auch wenn dies auf den ersten Blick nicht einleuchtend erscheint: Wer zu dicht am Bordstein fährt und den Autos somit viel Platz zum Überholen lassen will, wird meist mit zu wenig Abstand von den PKW überholt. Hintergrund ist, dass viele Autofahrer sich dann auch bei Gegenverkehr vorbeidrängeln. „Wer 70 cm Platz zum Bordstein hält, verhindert ein Überholen bei Gegenverkehr und signalisiert, dass er sich nicht abdrängeln lässt“, so Jan Fleischhauer vom ADFC Gießen.
Laut Straßenverkehrsordnung muss beim Überholen stets ein „ausreichender Seitenabstand“ insbesondere zu Radfahrern und Fußgängern eingehalten werden. Was ausreichend ist, wurde durch eine Vielzahl von Gerichtsurteilen festgelegt: Danach sind mindestens 1,50 bis 2,00 m Seitenabstand beim Überholen von Radfahrern einzuhalten (z.B. Urteil des OLG Saarbrücken, Az. 3 U 141/79). Bei schwierigen Witterungs- oder Fahrbahnverhältnissen sind sogar mehr als 2,00 m nötig. Warum Radfahrer mit mehr Abstand als PKWs überholt werden müssen, kann dabei leicht nachvollzogen werden: „Radfahrer pendeln und weichen insbesondere wegen Seitenwind, Unebenheiten oder Gegenständen auf der Fahrbahn sowie durch Ausgleichbewegungen an Steigungen deutlich von der geraden Fahrlinie ab“ so der ADFC Gießen.

Reicht die Fahrbahnbreite also nicht aus, um einen Radfahrer mit mindestens 1,50 Meter Abstand zu überholen, ist das Überholen solange nicht zulässig, bis ein entsprechend großer Abstand eingehalten werden kann. Entscheidend ist dabei der Abstand zum Radfahrer, nicht etwa zum Bordstein.

In der Praxis heißt dies für nahezu alle Gießener Straßen, dass Radfahrer nur überholt werden dürfen, wenn die Gegenfahrbahn mitgenutzt wird. Ein Überholen von Radfahrern bei Gegenverkehr ist also in der Regel ausgeschlossen. Auf vierspurigen Straßen ohne Radfahrsteifen wie dem Anlagenring müssen überholende Kraftfahrzeuge stets die linke Richtungsfahrbahn nutzen, wenn sie Radfahrer überholen wollen.




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