Kopfbild_Ostanlage 2 Fahrraddemo
13.04.2011 erstellt von: Jan Fleischhauer


Radfahrer dürfen auf die Fahrbahn

Presse_Radweg Leihgesterner Weg

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) weist auf eine neue Verkehrsregelung am Leihgesterner Weg hin: Zwischen Aulweg und Unterhof können Radfahrer nun frei wählen, ob sie „mit an den Fußverkehr angepasster Geschwindigkeit“ auf dem Gehweg oder ganz legal auf der Fahrbahn fahren wollen.


Durch die Beschilderung mit den Schildern „Gehweg“ + „Radverkehr frei“ hat die Stadt an diesem Abschnitt die Radwegebenutzungspflicht aufgehoben und damit eine alte Forderung des ADFC Gießen umgesetzt.
Grund für die Änderung ist die Erhöhung der Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer, denn der Weg unterschreitet die vorgeschriebene Mindestbreite von 2,50 m. Begegnungsverkehr und Überholen ist daher mit ausreichendem Abstand nur schwer möglich, so dass es nicht nur zwischen Radfahrern und Fußgängern immer wieder zu Konflikten kam. Des weiteren fehlt am Beginn und Ende des Weges eine sichere Querungsmöglichkeit für den Radverkehr und an den Einmündungen werden Radfahrer regelmäßig übersehen, wenn sie stadteinwärts unterwegs sind, weil Autofahrer sie nicht auf der linken Straßenseite erwarten. Die Unfallgefahr ist laut Unfallforschung an derartigen Einmündungen rund 12-mal so hoch wie beim Radfahren auf der Fahrbahn.

Der ADFC empfiehlt daher vor allem den Radfahrern, die in Richtung Ludwigstraße unterwegs sind, nicht den Gehweg, sondern die Fahrbahn zu benutzen. Dass diese Empfehlung bei vielen Verkehrsteilnehmern für Unverständnis sorgen wird, ist dem ADFC Gießen dabei durchaus bewusst: „Die meisten Radfahrer fühlen sich im Seitenbereich der Straße sicherer, weil sie Angst haben, dass Autos sie auf der Fahrbahn von hinten anfahren könnten. Dabei sorgt vor allem Sichtbarkeit für Sicherheit und Radfahrer sind nirgendwo so gut sichtbar wie direkt auf der Fahrbahn, wo der Autofahrer sie im Blick hat. Selbst der größte Autorowdy fährt keinen Radfahrer von hinten an, wenn er ihn früh genug gesehen hat. Daher ist das Fahren auf der Fahrbahn innerorts in der Regel am sichersten“, so der ADFC Gießen.
Trotz alledem ist sich der ADFC bewusst, dass er nicht alle Radfahrer überzeugen kann, die Fahrbahn zu nutzen, denn „den einen Radfahrer“ gibt es sowieso nicht: Das Spektrum reicht von Menschen, die das Rad als Gehhilfe nutzen, bis zu Rennradfahrern, die innerorts genau so schnell sind, wie Autofahrer. Insofern begrüßt der ADFC die neue Wahlfreiheit am Leihgesterner Weg, die in dieser Form beispielsweise auch in Teilen des Alten Steinbacher Wegs, der Robert-Sommer-Straße und der Nordanlage besteht. Die Regelung habe sich generell bewährt und werde auch von den Autofahrern gut akzeptiert, so der ADFC. Einzig beim Seitenabstand hapere es in Gießen manchmal noch, so ADFC-Vorstandsmitglied Jan Fleischhauer: „Einige Autofahrer vergessen, dass sie beim Überholen von Radfahrern einen Mindestabstand von 1,50 m einhalten müssen. Wir sind aber zuversichtlich, dass sich auch dies mehr und mehr herumspricht.“


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