Kopfbild_Ostanlage 2 Fahrraddemo
06.08.2011 erstellt von: Jan Fleischhauer


Stadt gibt Einbahnstraßen für Radverkehr frei

Presse_Einbahnstraßenfreigabe Troppauer Straße

Die Stadt Gießen gibt derzeit weitere Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung frei. Die Freigabe erhöht die Verkehrssicherheit.


Autofahrer müssen nun beispielsweise im Ahorn- und Buchenweg sowie den Straßen Katzenbach, Kugelberg, Troppauer Straße und Friedensstraße mit Radverkehr in Gegenrichtung rechnen. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) rät den Radfahrern, in den nächsten Wochen in diesen Straßen besonders vorsichtig zu fahren, bis Fußgänger und Autofahrer sich auf die neuen Regeln eingestellt haben. Insbesondere an Einmündungen und im Bereich von Kurven sollten alle Verkehrsteilnehmer besonders vorsichtig fahren. Dabei gilt die Regel „rechts vor links“ auch, wenn Radfahrer in Gegenrichtung aus einer Einbahnstraße kommen, so dass Autofahrer besonders an diesen Stellen aufpassen sollten.
Die Stadt ist gemäß der Straßenverkehrsordnung grundsätzlich zur Freigabe von Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung verpflichtet. Nur wenn besondere Gefahren gegeben sind, darf sie von diesem Grundsatz abweichen. In Tempo-30-Zonen ist daher die Freigabe der Regelfall, denn mit der Neufassung der Straßenverkehrsordnung vor zwei Jahren wurden selbst die Mindestbreiten für eine Einbahnstraßenfreigabe gestrichen. Hintergrund für diese Änderung waren Studien, die ergeben haben, dass durch die Einbahnstraßenfreigabe weniger Unfälle passieren und die Verkehrssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer steigt. „Wenn Radfahrer legal gegen die Einbahnrichtung fahren, gibt es beim Begegnen einen deutlich besseren Sichtkontakt zwischen Autofahrern und Radfahrern als wenn Radfahrer in Einbahnstraßen überholt werden. Hinzu kommt, dass auch die Unfälle mit sich öffnenden Türen abnehmen, weil der Autofahrer den Radfahrer von vorne kommen sieht“, so ADFC-Vorstandsmitglied Jan Fleischhauer, der auf eine Studie verweist, in der fast 700 Einbahnstraßen aus 15 deutschen Städten untersucht wurden. Danach würden auch die Fußgänger profitieren, denn der Anteil der Radfahrer, die illegal den Gehweg nutzen, gehe merklich zurück: Während vor der Einbahnstraßenfreigabe 60% der Radfahrer illegal die Gehwege benutzen, tun dies hinterher nur noch 20% der Radfahrer. Für Fußgänger ergeben sich also in geöffneten Einbahnstraßen erheblich weniger Beeinträchtigungen und Gefährdungen auf den Fußwegen.
Der ADFC erhofft sich aber mit dieser Maßnahme nicht nur ein Mehr an Verkehrssicherheit, sondern auch einen Anreiz, damit noch mehr Gießener das Fahrrad in der Stadt nutzen. Er verweist darauf, dass in Deutschland ein Drittel aller PKW-Fahrten kürzer als drei Kilometer sind und dass das Fahrrad gerade auf diesen Entfernungen das schnellste städtische Verkehrsmittel sei.


1538-mal angesehen




© ADFC 2021