Kopfbild_Ostanlage 2 Fahrraddemo
06.02.2010 erstellt von: Jan Fleischhauer


Neuer Bahnhofsvorplatz benötigt mehr Fahrradabstellplätze

Presse_Fahrradparken am Bahnhof Gießen im Winter

Bei der Planung des Bahnhofsvorplatzes besteht deutlich mehr Bedarf für Fahrradabstellanlagen, als bisher geplant war. Dies geht aus Zählungen des Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) hervor, die dieser seit Dezember nun regelmäßig durchführt.


Die Stadt Gießen war bisher davon ausgegangen, dass 366 Fahrradstellplätze im Bereich des Bahnhofsvorplatzes nötig wären, wobei künftige Zuwächse bereits berücksichtigt sein sollten. Die Zahl von 366 Rädern wurde im Bauausschuss Anfang Dezember präsentiert und entstammt einem städtischen Gutachten aus dem Sommer 2009. Sowohl einzelnen Ausschussmitgliedern als auch dem ADFC Gießen, der die Sitzung verfolgte, kamen diese Werte viel zu gering vor. Seitdem haben die ADFC-Aktiven mehrfach die abgestellten Fahrräder gezählt. Dabei stellte sich heraus, dass im Dezember rund um den Bahnhof bis zu 774 Räder abgestellt waren. Im neu zu gestaltenden Bereich rund um den Bahnhofsplatz wurden trotz eisiger Temperaturen bis zu 428 Räder gezählt. Bei warmem, trockenem Sommerwetter sollten die Fahrradzahlen jedoch noch deutlich höher liegen. Weitere Zuwächse sind zu erwarten, wenn nach der Gestaltung des Bahnhofsplatzes alle Bereiche ein rahmenfestes Anschließen der Fahrräder ermöglichen und überdacht sind.

Die Ergebnisse der Zählungen hat der ADFC nun der Stadt zur Verfügung gestellt. „Wir sind dankbar, dass die Stadt uns eine umgehende Prüfung unserer Zahlen zugesagt hat und dass sie unsere Ergebnisse für die weiteren Planungen berücksichtigen will“, so ADFC-Vorstandsmitglied Jan Fleischhauer. Wie es zu den Abweichungen kommen konnte, kann der ADFC jedoch nur teilweise beurteilen, da das städtische Gutachten nicht veröffentlicht wurde.

Aus der Präsentation im Bauausschuss ging jedoch hervor, dass die an der Neuen Post abgestellten Räder im städtischen Gutachten nicht enthalten waren, obwohl dort auch außerhalb der Postöffnungszeiten bis zu 65 Fahrräder von Bahnfahrern abgestellt werden. Ein weiterer möglicher Grund für die Abweichungen kann auch der Zeitpunkt der Zählung gewesen sein. In Universitätsstädten werden nämlich nicht werktags, sondern am Wochenende die meisten Fahrräder am Bahnhof geparkt: Dann stehen dort die Räder der Einpendler aus dem Gießener Umland, die ihre Räder werktags zur Fahrt zwischen Bahnhof und Uni oder Arbeitsstätte nutzen. Hinzu kommen die Räder der Studierenden, die in Gießen wohnen, aber am Wochenende mit der Bahn zur Familie fahren.

Insgesamt begrüßt der ADFC, dass der Bahnhofsplatz neu gestaltet wird und die Stadt zum Ziele hat, eine ausreichende Anzahl von überdachten und sicheren Fahrradstellplätzen direkt am Bahnhofsplatz anzubieten. Ein bewachtes Fahrradparkhaus mit Reparaturservice und Verkauf sollte nach Ansicht des ADFC auch verwirklicht werden. Der Trend bei den Radfahrern geht generell zu hochwertigen Rädern und diese müssen auch sicher abgestellt werden können, wenn man in Zukunft noch mehr Pendler zum Umstieg auf Rad und Bahn bewegen will. Dass großer Bedarf besteht ist klar ersichtlich.


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