Kopfbild_Ostanlage 2 Fahrraddemo
10.06.2012 erstellt von: Jan Fleischhauer


Immer noch keine Fahrrad-Abstellanlagen für Schulen

Wild geparkte Räder in der Schillerstraße

Vor drei Jahren beschloss die Stadtverordneten-Versammlung einstimmig einen Antrag der Grünen, dass bis zum 31. Juli 2012 an allen städtischen Schulen hochwertige Fahrradabstellanlagen geschaffen werden sollen. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Gießen hat nun den Stand der Umsetzung erhoben und musste feststellen, dass die Durchführung nur schleppend vorangekommen ist.


Die Studie des ADFC belegt, dass es statt der vom Stadtparlament beschlossenen 4.000 Fahrradabstellplätze bis heute nur 683 Plätze für die mehr als 15.000 SchülerInnen und LehrerInnen der städtischen Schulen gibt. An 10 Schulen gibt es bis heute keine einzige sichere Fahrradabstellanlage, obwohl auch dort viele Schüler mit dem Rad kommen. Laut Willen der Stadtverordneten hätte ein Viertel aller Abstellanlagen überdacht werden müssen. Die Realität sieht jedoch anders aus: Nur an der Herder-, Ludwig-Uhland-, Ricarda-Huch- und Friedrich-Ebert-Schule gibt es überhaupt überdachte Abstellanlagen und diese wurden schon weit vor dem Parlamentsbeschluss gebaut.
Bereits vor einem Jahr hatte ADFC-Vorstandsmitglied Jan Fleischhauer in einer Bürgeranfrage auf das Problem der schleppenden Umsetzung aufmerksam gemacht, woraufhin deutlich wurde, dass bis dahin innerhalb der Verwaltung gar nichts passiert war, da sich kein Amt zuständig fühlte. Nachdem die Bürgeranfrage, ob der Magistrat den Beschluss bis 31.7.2012 umsetzen werde, bis heute nicht beantwortet ist, entschloss sich der ADFC die Situation an den Schulen selber zu erheben. Dabei wurde offensichtlich, dass die Stadt es nicht mehr schaffen wird, den Stadtverordnetenbeschluss bis Ende Juli umzusetzen.
„Es ist bedauerlich, dass die Koalitionsfraktionen den Radverkehr zwar fördern wollen, es aber an der konkreten Umsetzung mangelt“, so Fleischhauer. Dass die Stadt nicht aktiv wird, ist für den ADFC auch keine Kostenfrage, denn das Land Hessen fördert die Aufstellung von Radabstellanlagen mit mehr als 60%. Die Stadt müsste nur ein Konzept beim Land einreichen. Selbst das ist jedoch in den letzten drei Jahren nicht geschehen und so wurden die wenigen neuen Abstellbügel wohl meist alleine aus der Stadtkasse bezahlt, statt die Fördergelder des Landes zu nutzen.
Die Studie des ADFC legt aber nicht nur offen, dass der Stadtverordnetenbeschluss nicht umgesetzt wurde, sondern weist auch nach, dass die Stadt sich nicht an ihre eigene Stellplatzsatzung hält. So gab es in der Vergangenheit mehrere Neubauten von Schulgebäuden, die eigentlich nur genehmigungsfähig gewesen wären, wenn auch entsprechende Fahrradstellplätze gebaut worden wären. An Brüder-Grimm-, Friedrich-Ebert- und Aliceschule sind jedoch trotz Neubauten keine neuen Fahrradstellplätze entstanden.
Der ADFC erwartet, dass ein konkreter Plan zur Umsetzung des Stadtverordnetenbeschlusses vorgelegt wird. . „Wer den morgendlichen Stau auf den Straßen der Stadt zu Schulbeginn erlebt, sollte sich bewusst sein, dass es diesen Stau auch gibt, weil noch immer viele Schüler und Lehrer mit dem Auto zur Schule fahren oder gebracht werden, da es an attraktiven Angeboten für Radfahrer an den Schulen und auf dem Weg dorthin mangelt“, so der ADFC. Auch die Überfüllung der Busse sei oft ein hausgemachtes Problem, welches sich durch attraktive Wege zu den Schulen und bessere Fahrradabstellanlagen an den Schulen und Hochschulen deutlich entschärfen ließe.



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