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26.07.2012 erstellt von: Jan Fleischhauer


Radfahrer dürfen auf die Fahrbahn der Rodheimer Straße

Ab hier dürfen Radfahrer die Fahrbahn nutzen

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) weist auf eine neue Verkehrsregelung an der Rodheimer Straße hin: Ab der Bushaltestelle „Hessenhalle“ können Radfahrer nun frei wählen, ob sie auf dem schmalen Radweg oder ganz legal auf der Fahrbahn in Richtung Innenstadt fahren wollen.


Radfahrer dürfen auf die Fahrbahn der Rodheimer

Grund für die neue Verkehrsführung ist der viel zu schmale Radweg auf der Sachsenhäuser Brücke, der oftmals auch von Fußgängern betreten wird, weil auch auf dem Gehweg zu wenig Platz ist. Aufgrund der Konflikte und rechtlichen Vorgaben des Bundes war die Stadt gezwungen, die Radwegebenutzungspflicht aufzuheben. Zu erkennen ist die neue Regelung daran, dass am Radweg die blauen Schilder mit weißem Fahrradsymbol entfernt wurden, die bisher den Radfahrern vorschrieben, den Radweg zu nutzen.
Die Stadtverwaltung hat damit eine lange bestehende Forderung des ADFCs umgesetzt, denn die Beschilderung hätte eigentlich schon 1997 geändert werden müssen, als die damalige „Radverkehrsnovelle“ der Straßenverkehrsordnung in Kraft trat. Eine weitere Forderung des ADFCs, auch die Busspur für den Radverkehr freizugeben oder einen Radfahrstreifen anzulegen, ist jedoch bis heute nicht erfüllt, auch wenn dies problemlos möglich wäre.
„Wer also den Radweg nicht mehr nutzen möchte, muss derzeit die rechte Fahrspur stadteinwärts nutzen und sollte dabei nicht zu weit rechts fahren, da auf der danebenliegenden Busspur die Linienbusse mit hoher Geschwindigkeit überholen“, rät der ADFC-Kreisvorsitzende Hartwig Leuer allen Radfahrern, die die neue Freiheit nutzen wollen. Nach Ansicht des ADFCs ist das Fahren auf der Fahrbahn auch besonders sicher, denn Radfahrer werden dort besser wahrgenommen als auf Radwegen und können problemlos auf der linken Spur überholt werden. Gerade an den Einmündungen Schlachthofstraße und Lahnstraße steigt die Sicherheit der Radfahrer, wenn diese auf der Fahrbahn unterwegs sind, wie die Unfallforschung ergeben hat.
Der ADFC empfiehlt daher vor allem allen schnellen Radfahrern, die in Richtung Innenstadt unterwegs sind, in Zukunft nicht mehr den Radweg, sondern die Fahrbahn zu benutzen. Dass diese Empfehlung bei vielen Verkehrsteilnehmern für Unverständnis sorgen wird, ist der Gießener Radfahr-Lobby durchaus bewusst: „Die meisten Radfahrer fühlen sich im Seitenbereich der Straße sicherer, weil sie Angst haben, dass Autos sie auf der Fahrbahn von hinten anfahren könnten. Dabei sorgt vor allem Sichtbarkeit für Sicherheit und Radfahrer sind nirgendwo so gut sichtbar wie direkt auf der Fahrbahn, wo der Autofahrer sie im Blick hat. Daher ist das Fahren auf der Fahrbahn innerorts meist am sichersten“, so der ADFC Gießen.
Trotz alledem ist sich der ADFC bewusst, dass er nicht alle Radfahrer überzeugen kann, die Fahrbahn zu nutzen, denn Radfahrer verhalten sich durchaus unterschiedlich: Das Spektrum reicht von Menschen, die das Rad als Gehhilfe nutzen, bis zu Rennradfahrern, die innerorts genau so schnell sind wie Autofahrer. Insofern begrüßt der ADFC die neue Wahlfreiheit. Einzig an der Bushaltestelle „Hessenhalle“ sieht der Verband noch Probleme, denn Autofahrer erwarten nicht, dass Radfahrer vom Radfahrstreifen auf die Fahrbahn wechseln. „Dort muss unbedingt die Markierung angepasst werden, sofern die Stadt nicht auch die Radwegebenutzungspflicht im davorliegenden Teil der Rodheimer Straße aufhebt“, so der ADFC-Vorsitzende, der darauf verweist, dass die Rad- und Fußwege auch dort viel zu schmal und unsicher sind.


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