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10.08.2012 erstellt von: Jan Fleischhauer


Landesregierung will Waldwege für Radfahrer sperren

Waldweg Leihgestern-Gießen

Nicht nur hessische Mountainbike-Freunde, sondern auch viele Freizeitradler sind alarmiert durch eine geplante Neufassung des Hessischen Waldgesetzes: Nach dem gegenwärtigen Entwurf soll Radfahren im Wald künftig nur noch auf etwa drei Meter breiten Wegen erlaubt sein, auf denen auch Autoverkehr möglich ist. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub Gießen (ADFC) kritisiert das Gesetzesvorhaben als eine nicht hinzunehmende Einschränkung des Radfahrens im Wald.


Die Landesregierung plant, dass Radfahrer nur noch die Waldwege befahren dürfen, die fest sind und „von nicht geländegängigen, zweispurigen Kraftfahrzeugen ganzjährig befahren werden können“. Bisher durften Radfahrer alle vorhandenen Wege im Wald nutzen. Der ADFC Gießen weist darauf hin, dass von dem Gesetzentwurf keineswegs nur Mountainbiker betroffen sind, sondern auch Radwanderer, Alltagsradfahrer und Familien, die Fahrradausflüge machen.
Der ADFC Gießen verweist beispielsweise auf viele Wege im Gießener Stadtwald oder den Limesradweg nördlich von Kloster Arnsburg, wo die Wegbreiten auf kurzen Strecken deutlich unter zwei Metern betragen. Auch viele hessische Radfernwege sind in Walddurchführungen z.T. so schmal, dass sie nach dem neuen Waldgesetz nicht mehr durchgehend genutzt werden dürften. Besonders fatal ist dies nach Ansicht des ADFC, weil viele Radfernwege in den vergangenen Jahren mit Mitteln des Landes und der engagierten Arbeit des ADFC Hessen in Wegweisung und Beschilderung auf ein hervorragendes Niveau gebracht worden sind. „Diese Investitionen sind dann ernsthaft bedroht, eine Rufschädigung für den Radtourismus ist bereits heute festzustellen“, so der ADFC-Kreisvorsitzende Hartwig Leuer. Das neue Waldgesetz könnte sich damit auch negativ auf die vielen touristische Betriebe auswirken, die im Landkreis Gießen mit den Radfahrern gutes Geld verdienen.
Vom neuen Waldgesetz wären aber auch viele Alltagsradfahrer betroffen, die auf schmalen Radwegen zur Arbeit oder zur Schule fahren. So dürfte beispielsweise der im Wald gelegene Radweg entlang des Leihgesterner Wegs nicht mehr befahren werden, auf dem nach Zählungen von Hessen Mobil mehr als 700 Radfahrer pro Tag unterwegs sind. Diese Radfahrer müssten dann zusammen mit dem Autoverkehr die schnell befahrene Landstraße nutzen. Auch der von der Stadt Gießen extra befestigte Weg vom Alten Steinbacher Weg zur Kreisverwaltung dürfte nach Inkrafttreten des neuen Waldgesetzes nicht mehr befahren werden. Der ADFC engagiert sich daher insbesondere dafür, dass die vorgesehene Definition des festen Waldwegs entweder komplett wegfällt oder unmissverständlich fahrradfreundlich formuliert wird, so dass auch zukünftig alle angelegten Waldwege von Radfahrenden befahren werden können.
Die Beispiele des ADFC machen deutlich, dass das Waldgesetz in der geplanten Fassung auch nicht dem Naturschutz dient, denn der Umwelt wäre nicht geholfen, wenn aufgrund des Waldgesetzes nun die touristischen Radfernwege in sensiblen Bereichen verbreitert werden oder die Radfahrer zukünftig aufs Auto umsteigen, weil schmale Wege durch den Wald grundsätzlich gesperrt werden. Entsprechend lehnt auch der hessische NABU die Änderung des Waldgesetzes ab und verweist darauf, dass die Forstverwaltung schon jetzt regulierend eingreifen kann, wenn es örtlich zu starke Belastungen durch Wanderer, Radfahrer oder Reiter gibt.



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