Kopfbild_Ostanlage 2 Fahrraddemo
07.02.2013 erstellt von: Jan Fleischhauer


Landkreis Gießen beim Fahrradklimatest im Mittelfeld - Wetzlar und Marburg schlechter

Ergebnisse Fahrradklimatest in Mittelhessen 2012

Beim Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) belegen die Städte und Gemeinden des Landkreises Gießen Plätze im Mittelfeld. Am besten haben die Radfahrer die Situation in Grünberg (Note 3,6) und Buseck (Note 3,7) beurteilt. Biebertal, Gießen und Heuchelheim erhielten die Note 3,9. Die übrigen Kommunen des Kreises kamen wegen zu geringer Teilnahme nicht in die Wertung.


Dabei war die Stadt Gießen nicht nur erstmals in der Wertung, sondern sie erzielte bei den Teilnehmerzahlen ein Spitzenergebnis: Bei der relativen Beteiligung liegt Gießen mit 83 Teilnehmern pro tausend Einwohnern in Hessen an der Spitze, bei den absoluten Zahlen lag die Stadt mit 640 Teilnehmern knapp hinter Frankfurt und vor allen anderen hessischen Kommunen. Das zeigt, welches Gewicht das Radfahren in der Gießener Bevölkerung besitzt und ist aus Sicht des ADFC Gießen ein deutliches Signal an die Stadtpolitik, den Radverkehr weiter zu fördern und dem notwendigen Wandel im Mobilitätsverhalten Rechnung zu tragen. Dabei weist der ADFC Gießen darauf hin, dass der Nationale Radverkehrsplan der Bundesregierung beispielsweise Ausgaben zwischen 8 und 16 Euro pro Einwohner und Jahr für den Radverkehr empfiehlt, was in Gießen 600.000 bis 1,2 Millionen Euro pro Jahr bedeuten würde. Die örtliche Radfahrerlobby wünscht sich, dass dieser Betrag in den kommenden Jahren auch in Gießen zur Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur aufgewandt wird. Möglichkeiten der Verbesserung gibt es noch viele, wie ein Blick in den städtischen Radverkehrsentwicklungsplan zeigt.
Dass es sich auszahlt, in den Radverkehr zu investieren, zeigen Städte wie Frankfurt und Kassel. Durch systematische Radverkehrsförderung steigen dort immer mehr Personen auf das Fahrrad. Frankfurt hat so seinen Radverkehrsanteil innerhalb weniger Jahre verdoppelt, was sich auch in deutlich verbesserten Werten im Fahrradklimatest gezeigt hat, so dass Frankfurt dafür am vergangenen Freitag in Berlin ausgezeichnet wurde.
Die Gießener Radfahrer erkennen Verbesserungen durchaus an, wie sich bei der Frage zur Einbahnstraßenfreigabe zeigt, bei der Gießen eine 2,45 erhielt, während Biebertal und Grünberg in diesem Bereich nur Noten oberhalb von vier bekamen, da sie trotz wiederholter Initiativen des ADFC Gießen bis heute kaum Einbahnstraßen geöffnet haben.
Durchweg schlechte Noten erhalten alle Kommunen im Landkreis für den Winterdienst auf Radwegen, die Radverkehrsführung an Baustellen, fehlende Leihfahrräder sowie schlechte Fahrradabstellanlagen, wobei die Stadt Gießen dabei etwas besser abschneidet.
Positiv bewerten die Radfahrer vor allem die Erreichbarkeit des Gießener Stadtzentrums und die Zügigkeit des Radfahrens. Insbesondere außerhalb der Stadt Gießen wird das Radfahren eher als Spaß denn als Stress angesehen. Kritisiert wird jedoch in allen Kommunen, dass in letzter Zeit kaum Werbung fürs Radfahren gemacht wurde (Durchschnitt 4,9)und dass von einer Radverkehrsförderung in jüngster Zeit kaum etwas zu spüren gewesen sei (Durchschnitt 4,7).
Der ADFC Gießen hofft jedoch, dass sich die Situation bald verbessern wird. So gibt es derzeit Pläne des RMV zur Verbesserung der Fahrradabstellanlagen an Bahnhöfen und auch der Landkreis plant ein Radrouten- und Wegweisungskonzept für den kompletten Kreis. „Wir hoffen auch, dass Stadt und Landkreis Gießen bald auch die Fahrradabstellsituation an den Schulen verbessern“, so der ADFC-Kreisvorsitzende Hartwig Leuer.
Betrachtet man ganz Mittelhessen, schneiden die Städte und Gemeinden des Landkreises noch am besten ab, denn die mittelhessischen Städte Wetzlar und Marburg wurden mit den Noten 4,22 und 4,28 weitaus schlechter bewertet.


2229-mal angesehen




© ADFC 2021