Kopfbild_Amoeneburg
08.10.2020 erstellt von: Jan Fleischhauer


Der ADFC führt keinen Krieg gegen Radwege

Radweg ohne Benutzungspflicht in Pohlheim

Mehrfach war in den vergangenen Wochen eine Aussage des Pohlheimer Bürgermeisters Udo Schöffmann zu lesen, wonach der ADFC „Krieg gegen alle Radwege“ führen würde. Dies veranlasst uns zu einer öffentlichen Richtigstellung.


„Der ADFC versteht sich als Lobbyorganisation für den Radverkehr. Insofern begrüßt, fördert und unterstützt er alle Maßnahmen, die der Förderung und Verbesserung des Radverkehrs dienen. Dazu gehören selbstverständlich auch Radwege“, stellt ADFC-Vorstandsmitglied Jan Fleischhauer fest.

Insofern sei die Aussage von Herrn Schöffmann, der ADFC würde Radwege „bekriegen“, ebenso absurd wie abwegig. „Der ADFC setzt sich vielmehr nachdrücklich für den Bau von Radwegen ein und unterstützt und begleitet die Kommunen und Planungsbüros auch bei der Umsetzung“, so Fleischhauer.

Insofern ist der Vorstand des ADFC Gießen sehr verwundert über diese Aussagen von Herrn Schöffmann, zumal der ADFC auch den Radwegebau in der Stadt Pohlheim stets konstruktiv begleitet und sich bei Verkehrsschauen und anderen Ortsterminen gemäß den Grundsätzen des ADFC für Verbesserungen für den Radverkehr eingesetzt hat. „Mir sind dabei keine Dissonanzen auf Verkehrsschauen oder bei Stellungnahmen zu den Plänen in Erinnerung geblieben und ich kann mich auch stets nur an eine konstruktive Atmosphäre erinnern, wenn ich mit politischen Vertretern der Stadt Pohlheim zusammentraf“, stellt Jan Fleischhauer fest.

Leider war Herr Schöffmann bei solchen Terminen in den letzten Jahren nie anwesend und hat auch nicht mit Vorstandsmitgliedern des ADFC Kontakt gehabt. Eine Nachfrage hierzu ließ er unbeantwortet.

Möglicherweise beziehen sich Herr Schöffmanns Äußerung darauf, dass viele Wege nicht mehr mit dem Schild „Gemeinsamer Geh- und Radweg“ beschildert sind. Die entsprechenden Wege sind aber insbesondere außerorts auch ohne die Schilder als Radrouten nutzbar. Die Beschilderungsänderungen geht auf eine Änderung der StVO zurück, die 1997 von der Kohl-Regierung mit Zustimmung des Bundesrats beschlossen wurde. Seitdem gilt keine allgemeine Radwegbenutzungspflicht mehr in Deutschland. Radfahrende sollen die Wahlfreiheit haben, ob sie einen Radweg nutzen wollen oder lieber auf der Fahrbahn unterwegs sind. Hintergrund der Änderung ist, dass Studien zeigten, dass viele Radwege insbesondere an Kreuzungen und Einmündungen sowie am Anfang und Ende von Zweirichtungsradwegen eine höhere Unfallgefahr aufweisen als die Nutzung der Fahrbahn. Die Regelung dient auch der Sicherheit der Fußgänger, wenn z.B. Rennradfahrer auf der Fahrbahn und nicht auf gemeinsamen Geh- und Radwegen fahren. Insbesondere innerorts ist die Differenzgeschwindigkeit zwischen Radfahrern auf Zweirichtungsradwegen deutlich größer als wenn Radfahrer z.B. bei Tempo 30 mit den Autos auf der Fahrbahn fahren. Studien zeigen jedoch, dass mehr als 90 Prozent aller Radfahrer Radwege auch dann benutzen, wenn diese nicht mehr als benutzungspflichtig beschildert sind. Ziel des ADFC ist es, die Bedürfnisse aller Typen von Radfahrern zu vertreten und sichere Wege für Kinder, Alltagsradler, Freizeitfahrer aber auch Rennradfahrer zu erreichen und dabei die Sicherheit und Bedürfnisse der Fußgänger stets mit im Blick zu haben. Von daher setzt sich der ADFC in allen Kommunen dafür ein, dass es möglichst sichere Radwege gibt.

Durch die Hinweise des ADFCs konnte in vielen Fällen beim Neubau von Radwegen auch erreicht werden, dass die Radwege sicherer gestaltet wurden. Die Stadtverwaltung Pohlheim hat daher auch erst jüngst wieder den Rat des ADFC eingeholt, wie die Einmündung Gießener-Straße/Rudolf-Diesel-Straße so umgebaut werden kann, dass der Radverkehr mit Vorfahrt möglichst sicher geführt wird. Im November wird der ADFC bei der Hauptverkehrsschau die Stadt Pohlheim auch wieder beraten. „Wir hoffen, dass Herr Schöffmann dann auch teilnimmt und etwaiges Unbehagen mit uns bespricht, statt ohne unsere Anwesenheit Falschmeldungen über den ADFC zu verbreiten.“, so der ADFC Gießen.


126-mal angesehen




© ADFC 2020