Kopfbild_Rübsamen_Steg_Abend_1
27.12.2020 erstellt von: Jan Fleischhauer


Radfahrer dürfen in Lich bei Rot abbiegen

Lich_Rechtsabbiegen_bei_Rot_3

Wer per Fahrrad aus der Kolnhäuser Straße in die Licher Altstadt abbiegen möchte, muss an der roten Ampel nicht mehr auf grün warten. Durch ein neues Schild wird das Rechtsabbiegen bei Rot für den Radverkehr erlaubt.


Die Straßenverkehrsbehörde setzt damit eine Neuerung um, die im April 2020 in die bundeseinheitliche Straßenverkehrsordnung (StVO) aufgenommen wurde. Seitdem kann das ursprünglich aus der DDR übernommene Grünpfeil-Schild allein für den Radverkehr beschildert werden. Die Neuerung ist eine von vielen Maßnahmen von Bund und Ländern, um das Radfahren in Deutschland zu fördern und die Klimaschutzziele auch im Verkehr zu erreichen. Seit Jahren gibt es das Rechtsabbiegen bei roter Ampel für Radfahrende in Frankreich, der Schweiz und einigen Bundesstaaten der USA. Dort hat es sich bewährt, denn im Gegensatz zum Grünpfeil-Schild für Autofahrer gibt es beim Grünpfeil nur für Radfahrer keine besonderen Gefährdungen und Behinderungen für Fußgänger.
Völlig freie Fahrt bedeutet das Schild allerdings nicht: Die StVO schreibt vor, dass vor dem Abbiegen gestoppt werden muss und dass allen anderen Verkehrsteilnehmern - also insbesondere Autofahrern und querenden Fußgängern - Vorfahrt gewährt werden muss. „Man muss sich also ein Stopp-Schild und einen Zebrastreifen an der Stelle vorstellen, damit man sich beim Abbiegen richtig verhält“, so Jan Fleischhauer vom Kreisvorstand des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Die neue Regelung wurde auf eine Anregung aus der Licher Bürgerschaft eingeführt und traf bei der letzten Verkehrsschau die ungeteilte Zustimmung bei den Straßenverkehrsbehörden von Stadt und Landkreis sowie bei Hessen Mobil, Polizei, ADFC und ADAC. Der ADFC hätte sich gewünscht, dass in Deutschland wie in anderen Ländern, keine Pflicht zum Stoppen mit dem Schild verbunden ist. Damit hat er sich beim Bundesverkehrsministerium aber bisher nicht durchsetzen können, so dass derzeit ein Bußgeld von 35 Euro droht, wenn die Räder nicht kurz zum Stehen kommen, bevor nach rechts abgebogen wird. Der ADFC appelliert daher an alle Radfahrenden, die Stopp-Regel auch dann einzuhalten, wenn keine Fußgänger queren und kein Auto von links kommt. „Aus Respekt vor den Fußgängern bitten wir außerdem darum, dass der Gehweg neben der Ampel von Radfahrern über 10 Jahren nicht befahren wird“, so der ADFC, denn die neue Regel wurde auch getroffen, um illegales Umfahren von Ampeln über Gehwege zu reduzieren und so die Sicherheit für alle, die zu Fuß gehen, zu erhöhen. Immerhin hatten Bund und Ländern die Bußgelder für das verbotene Fahren auf Gehwegen im April bereits auf 55 bis 100 Euro erhöht. Nur wegen eines Formfehlers gelten derzeit noch die alten Bußgelder zwischen 10 und 25 Euro.
Der ADFC begrüßt die neue Grünpfeil-Regelung und dankt den Behörden, dass sie hier schnell und unkompliziert die Neuerung eingeführt haben. Die Ampel in der Stadt Licht ist die erste Ampel im Landkreis, wo der Grünpfeil für Radfahrer eingeführt wurde. Nicht jede Ampel eignet sich für das Schild, so darf es z.B. nicht verwendet werden, wenn für den entgegenkommenden Linksabbieger ein leuchtender grüner Pfeil in der Ampel gezeigt wird oder es nach rechts weisende, leuchtende Pfeile in der Ampel gibt. Gerade in der Stadt Gießen gibt es aber nach Ansicht des ADFC viele Ampeln, wo die Grünpfeil-Regelung für den Radverkehr eingeführt werden kann. Ein entsprechender Antrag auf Einführung des Grünpfeil-Schildes wurde im Juni auf Antrag der Koalitionsfraktionen auch einstimmig für 19 Ampeln beschlossen. Die Umsetzung steht aber noch aus, so dass die Stadt Lich wohl noch einige Zeit fahrradfreundliche Vorreiterin im Gießener Land bleiben wird.




Bildergalerie

Lich_Rechtsabbiegen_bei_Rot_1

288-mal angesehen




© ADFC 2021