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11.02.2021 erstellt von: Jan Fleischhauer


ADFC: Fördergelder für Radwege stehen bereit - Bund und Land fördern Radwegebau mit bis zu 90%

Radwegausbau Grünberg Vorher Nachher

Der Kreisverband Gießen des Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) fordert die politischen Parteien im Gießener Land auf, jetzt mit dem Ausbau der Rad-Infrastruktur zu beginnen. Projekte, die noch in der ersten Jahreshälfte 2021 beantragt werden, fördern Bund und Land mit 80 bis 90%.


Das im letzten Jahr vom Kreis beschlossene Radverkehrskonzept hat den Handlungsbedarf klar aufgezeigt: Zwischen vielen Ortschaften fehlen gut ausgebaute Radwege. Auf zu vielen Strecken müssen Radfahrende noch über matschige Feldwege oder stark und schnell befahrene Landstraßen fahren. Während inzwischen vor fast jedem Rathaus eine Elektroladesäule steht, hat noch nicht einmal jedes zweite Rathaus sichere Fahrradstellplätze. Dabei gibt es im Gießener Land mehr als 100 Mal so viele Elektroräder wie Elektroautos. An anderen öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Sportstätten, Friedhöfen und Kindergärten sieht es oft nicht besser aus.
Auch die Verknüpfung von öffentlichem Nahverkehr und Fahrrad klappt oft noch nicht optimal. An fast allen Bahnhöfen gibt es zwar ein Grundangebot an meist überdachten Fahrradbügeln. Sichere Fahrradboxen für hochwertige Fahrräder gibt es aber nur in Linden und Gießen und diese sind alle ausgebucht und es werden lange Wartelisten geführt. An fast allen Bushaltestellen fehlen Fahrradstellplätze.
Den Handlungsbedarf haben inzwischen alle erkannt, und so überbieten sich die Parteien in den aktuellen Wahlprogrammen mit Forderungen, was sie für den Radverkehr machen wollen. Der ADFC begrüßt, dieses klare Bekenntnis, entscheidend sei nun aber, dass die Parteien ihren Ankündigungen direkt nach der Kommunalwahl auch Taten folgen lassen. Einen großen Anreiz setzen Bund und Land, denn um im Verkehrsbereich beim Klimaschutz voranzukommen, stellt der Bund den Kommunen erstmals hohe Fördergelder bereit, die über das Land Hessen verteilt werden. Damit die Kommunen in Zeiten von Corona auch zugreifen, winken allen, die im ersten Halbjahr 2021 einen Förderantrag stellen, Förderquoten von 90% für finanzschwache Kommunen und von 80% für alle anderen Kommunen. Das ist eine deutliche Unterstützung, denn in der Vergangenheit waren oft nur Förderquoten von 40 bis 70 Prozent üblich. Der ADFC empfiehlt den politisch Verantwortlichen daher, dass sie Maßnahmen, die sie bis Ende 2023 eh umsetzen wollen, noch in der ersten Jahreshälfte 2021 beantragen, denn wer 90% statt 70% Fördergelder bekommt, kann zwei Drittel des kommunalen Eigenanteils sparen oder drei Mal so viele Maßnahmen umsetzen wie eigentlich geplant.
Der ADFC rät den Kommunen vor allem, schnell umsetzbare Maßnahmen anzugehen: Sichere und möglichst überdachte Fahrradstellplätze an allen öffentlichen Gebäuden zu schaffen, kann jede Kommune problemlos bis Mitte des Jahres planen. Ebenso empfiehlt der ADFC die Asphaltierung von Feldwegen, da auf diesem Weg ohne langwierigen Grunderwerb und ohne Verlust von landwirtschaftlichen Flächen sowie ohne großen Zeitaufwand kurze und autoarme Radrouten zwischen den Ortschaften geschaffen werden können. Die Anlage von Radwegen neben den Hauptstraßen wird sich bis 2023 eher nicht realisieren lassen, weil Grunderwerb und die Schaffung von Baurecht sich oft lange hinziehen und dies vor allem auch Aufgabe von Hessen Mobil ist. Eher in Frage kommt aus Sicht des ADFC die Schaffung von sicheren Querungsstellen oder die Ausweisung von Fahrradstraßen, da auch Markierung und Beschilderung gefördert wird.
Auch für die Kreisverwaltung hat der ADFC klare Vorschläge: Bis 2023 sollte die seit über 10 Jahren angekündigte, flächendeckende Radwegweisung für den Alltagsverkehr installiert werden und alle Schulen mit sicheren, überdachten Radabstellanlagen ausgestattet sein. Die Vorbereitungen für beide Projekte sind gemacht: Alle Schulen haben ihre Bedarfe für Fahrradstellplätze dem Kreis schon gemeldet und mit dem Radroutenkonzept liegt die konzeptuelle Grundlage für die flächendeckende Alltags-Radwegweisung nun vor. Jetzt kommt es nur noch darauf an, dass den Wahlprogrammen auch Maßnahmen folgen.

Mehr zum aktuelle Förderprogramm:
https://www.nahmobil-hessen.de/foerderung/foerdermittel-des-bundes/sonderprogramm-stadt-und-land/

Online-Fortbildung
Am Mittwoch, 17. Februar 2021, um 14 Uhr bietet das Team „Radverkehr – Sonderprogramm Stadt und Land“ des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) gemeinsam mit Ansprechpersonen des hessischen Verkehrsministeriums und Hessen Mobil eine Online-Informationsveranstaltung für Kommunen, Politik und interessierte Öffentlichkeit an. Mehr Informationen unter: https://www.nahmobil-hessen.de/unterstuetzung/akademie/


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