Kopfbild_Philosophikum_Schnee_1
17.11.2021 erstellt von: Jan Fleischhauer


90 weitere Grünpfeile für Radverkehr sind möglich

Grünpfeil im Schiffenberger Tal an der Ecke Rathenaustraße

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub Gießen (ADFC) schlägt für 90 Ampelzufahrten in Gießen einen grünen Pfeil für Radverkehr vor. Dadurch soll das Radfahren in Gießen attraktiver werden und ein Beitrag zur Klimaneutralität geleistet werden.


An 16 Stellen dürfen Radfahrer seit Anfang des Jahres per Fahrrad nach rechts abbiegen, während die Ampel rot anzeigt. Die Stadt signalisiert dies den Radfahrern durch Schilder, die einen Grünpfeil anzeigen, der nur für Radfahrer gilt. Auch wenn sich einzelne Radfahrer manchmal nicht daran halten, vor dem Rechtsabbiegen – wie vorgeschrieben – kurz zu stoppen, so haben sich einzelne Befürchtungen, dass Fußgänger an diesen Kreuzungen gefährdet oder behindert werden könnten, nicht bewahrheitet. Damit macht Gießen die gleichen positiven Erfahrungen, wie Städte in der Schweiz, in Frankreich oder den USA, wo es diese Abbiegemöglichkeit für den Radverkehr schon seit Jahren gibt und wo sich die Regelung seit Jahren sehr gut bewährt.
Der ADFC Gießen hat im vergangen halben Jahr alle 76 Ampelkreuzungen in Gießen mit ihren 249 Zufahrten genau unter die Lupe genommen und geprüft, wo die Grünpfeilregelung angesichts der aktuellen Vorschriften möglich ist. Herausgekommen ist eine Liste mit 90 Zufahrten, wo der Grünpfeil für den Radverkehr ohne Sicherheitsbedenken eingeführt werden kann. An 19 Stellen ist kein Grünpfeil nötig, weil die Ampel z.B. über einen Radweg legal umfahren werden kann. An knapp 20 Ampelkreuzungen kann die Ampel über freie Rechtsabbiegefahrspuren selbst per Auto umfahren werden. Nur an 100 Stellen darf der Grünpfeil bei der aktuellen Rechtslage nicht angebracht werden, weil es z. B. bereits einen grün leuchtenden Rechtsabbiegepfeil in der Ampel gibt oder den entgegenkommenden Linksabbiegern per leuchtendem Grünpfeil freie Fahrt beim Abbiegen signalisiert wird. Der ADFC hat seine Ergebnisse nun der Straßenverkehrsbehörde übergeben und von dort bereits die Zusage erhalten, dass man sich des Themas annehmen und quartiersweise die Ergebnisse des ADFC überprüfen werde, um dann die Änderungen vorzunehmen. Dass der Grünpfeil möglichst schnell kommen soll, gibt auch der Koalitionsvertrag der neuen Stadtregierung vor: Grüne, SPD und Gießener Linke haben vereinbart, den Rad-Grünpfeil „an allen geeigneten Kreuzungen“ zu installieren.
Wenn die Stadtverwaltung alle Vorschläge umsetzt, dürfte bald an mehr als der Hälfte der Ampelzufahrten in Gießen bei Rot das Rechtsabbiegen für den Radverkehr möglich sein. ADFC Vorstandsmitglied Jan Fleischhauer kann sich aber in der Zukunft noch weitere Grünpfeile in Gießen vorstellen, denn nicht alle derzeit gültigen Ausschlussgründe sind aus seiner Sicht sinnvoll. Wenn der Radverkehr z.B. auf einen benutzungspflichtigen Radweg nach rechts abbiegt, dann ist es kein Problem, wenn der Gegenverkehr einen leuchtenden grünen Pfeil angezeigt bekommt, weil sich die Fahrlinien von Rad- und Autoverkehr gar nicht berühren. Fleischhauer geht daher davon aus, dass die neue Bundesregierung den Kommunen bald noch mehr Spielraum für die Installation der Rad-Grünpfeile geben wird – das Land Nordrhein-Westfalen hatte das per Erlass schon vor einigen Monaten ermöglicht.


74-mal angesehen




© ADFC 2021